Estland grenzt an Lettland, Russland sowie an die Ostsee. Über den Finnischen Meerbusen hinweg bestehen enge Beziehungen zu Finnland. Das Land ist flächenmäßig etwas kleiner als Niedersachsen und etwas größer als die Schweiz. Im Süden des Landes befindet sich die höchste Erhebung, der Suur Munamägi (318 m). Der größte See ist der Peipsi Järv (Peipussee). Vorgelagert befinden sich 1520 Inseln, die größte davon ist Saaremaa.



Das heutige Estland besteht aus der ehemaligen (bis 1918 zum russischen Reich gehörigen) Ostseeprovinz Estland und dem nördlichen Teil Livlands, zu dem auch die Insel Saaremaa (Ösel) gehörte. Die mit dem Deutschen Orden ins Land gekommenen Vasallen hatten sich 1252 erstmals zu einer autonomen Landesverwaltung zusammengeschlossen, die durch das bis 1346 dänische Nordestland bestätigt wurde. Nach dem Ende der Herrschaft des Ordens 1561, nahmen die hanseatischen Städte und die Ritterschaften auf dem Land die öffentlich-rechtlichen Selbstverwaltungsaufgaben war. Die Landesprivilegien, ein Autonomiestatus wurde auch ab1561 von der schwedischen, und seit 1710 der russischen Oberherrschaft bestätigt.

Estland stand bis zum Ende des Nordischen Krieges unter schwedischer Herrschaft (die letzten schwedischsprachigen Bewohner wurden während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg nach Schweden repatriiert). Bis zu dieser Zeit wurde in Teilen Estlands, vor allem auf den Inseln Hiiumaa (Dagö), Vormsi und Ruhnu (Runö) noch Estlandschwedisch gesprochen. Dieser Dialekt, der mit dem Finnlandschwedischen zu den Ostschwedischen Sprachen zählt, hat sich mit der Zeit durchaus zu einer selbstständigen Sprache entwickelt.

Eine zentrale Rolle spielte bei dieser Entwicklung zur eigenen kulturellen und politischen Identität die Universität Tartu (Dorpat), auf der seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die studierenden Esten sich bewußt nicht mehr über die Mitgliedschaft in den Corporationen assimilieren wollten, sondern vor allem im Verein Studierender Esten (EÜS) eine eigene Identität förderten. Während des Zerfalls des Russischen Reiches im Verlauf der Oktoberrevolution erlangte Estland 1918 seine Unabhängigkeit.

In den Jahren 1939/40 wurden die Deutschbalten von den Nationalsozialisten aus Estland und Lettland "heim ins Reich" geholt. Grund war die im Geheimabkommen zum Hitler-Stalin-Pakt geschlossene Vereinbarung, das Baltikum dem sowjetischen Einzugsbereich zu überlassen.

Unter massivem Druck und Gewaltandrohung durch die Sowjetunion "traten" die baltischen Länder 1940 dieser "bei". Die ("Estnische Sozialistische Sowjetrepublik" wurde mit Unterstützung von sowjetischen Emmisaren proklamiert), nachdem Estland zuvor bereits russische Truppen auf seinem Territorium dulden musste. Von 1941 bis 1944 war das Land von deutschen Truppen besetzt und beteiligte sich nun als Teil des Generalkommissariats Ostland an der Genozid-Politik des Dritten Reiches.

Aufgrund der Erfahrungen mit den Sowjets schlossen sich auch Esten den deutschen Truppen an, allerdings kämpften ebenso Esten auf der sowjetischen Seite. Nach der erneuten Besetzung durch die Rote Armee im Herbst 1944 wurde, als Folge der Konferenz von Jalta, das Land in die SU eingegliedert. Deportierungen folgten.

Im August 1991 wurde Estland nach mehrjährigen Bemühungen insbesondere seit 1988 wieder unabhängig. Der Begriff der Singenden Revolution zeigte den überwiegend friedlichen Verlauf der Befreiungsbemühungen. Es wurde am 2. April 2004 NATO-Mitglied. Die estnische Bevölkerung befürwortete am 14. September 2003 in einem Referendum den Beitritt zur Europäischen Union. Am 1. Mai 2004 wurde daraufhin Estland in die EU aufgenommen. Noch 2001 waren in Umfragen nur 30 Prozent dafür und 51 Prozent gegen den EU-Beitritt; 2004 wurde die grosse russische Minderheit vom Referendum ausgeschlossen



Das Verkehrsnetz ist gut ausgebaut. Die Straße und die Schifffahrt auf der Ostsee spielen die wichtigste Rolle, im Güterverkehr zudem auch die Eisenbahn in Form der Gesellschaft Eesti Raudtee. Internationaler Personeneisenbahnverkehr beschränkt sich auf eine tägliche Zugverbindung nach Moskau. Hochseehäfen befinden sich in Tallinn, Pärnu und Sillamäe. Von Süden nach Norden wird das Land von der Via Baltica durchquert. Der Luftverkehr konzentriert sich auf den internationalen Flughafen Tallinns, Ülemiste, der Basis der estnischen Fluggesellschaften Estonian Air, Aero Airlines und Avies ist. Estonian Air bedient mit fünf Boeing 737-500 europäische Destinationen, u.a. Stockholm, Oslo, London, Moskau, Brüssel und Kopenhagen. In Deutschland werden Berlin-Tegel, Frankfurt und Hamburg bedient. Aero Airlines bedient mit Turboprop-Flugzeugen des Typs ATR-72-200 die Strecke Tallinn - Helsinki in Kooperation mit der finnischen Fluggesellschaft Finnair. Avies verbindet mit kleinen Turboprop-Flugzeugen der Typen British Aerospace Jetstream 31 und Let L-410 von Tallinn die vorgelagerten Inseln Saaremaa und Hiiumaa. Ausländische Fluggesellschaften, die Tallinn anfliegen, sind Air Baltic (von Riga und Vilnius), Lufthansa (von Frankfurt), Easyjet (von London und Berlin), SAS (von Stockholm), LOT (von Warschau), Czech Airlines (von Prag) und KLM (von Amsterdam). Am 28. September 1994 sank die estnische Fähre Estonia vor der Küste Finnlands auf der Überfahrt nach Stockholm, nachdem die Bugklappe auf hoher See abbrach. Bei dem Unglück starben 852 Menschen.



Die Einwohner Estlands (2003) gehören folgenden Nationalitäten an:

Esten 68,4%
Russen 25,7%
Ukrainer 2,1%
Weißrussen 1,2%
Finnen 0,8%
sonstige 1,7%
Knapp 45% der Hauptstadtbevölkerung in Tallinn sind nicht-estnischer Muttersprache.

Mittlerweile lassen sich zahlreiche Ausländer einbürgern. Das Einbürgerungsverfahren ist jedoch mit einem Sprachtest verbunden, den viele vor allem ältere Russen als unzumutbar und schwierig empfinden. Jüngere Russen beherrschen vielfach Estnisch und tun sich mit den Aufnahmekriterien leichter. In letzter Zeit bringen Russen vermehrt ihre Kinder in die estnischen Kindergärten und Schulen.

Trotz der zahlreichen staatlichen Programme ist es immer noch nicht gelungen, die Benachteiligung der Minderheiten vollständig zu eliminieren. Es gibt sogar Russen, die ihre Familiennamen geändert haben, in der Hoffnung, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Im Durchschnitt verfügen die Esten über ein höheres Einkommen im Vergleich zu der russischsprachigen Minderheit. Esten sind vor allem in den Leitungspositionen anzutreffen, die Russen mehr im Dienstleistungs-, Produktionsbereich. Die Esten wiederum sprechen immer weniger Russisch, was die Kommunikation mit den nachbarlichen Geschäftspartnern erschwert und den russisch-sprechenden Einwohnern bessere Berufsaussichten eröffnet.

40.000 Esten leben in Russland.
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